Internationale Ärzte gegen den Atomkrieg

Die Krankheit der Supermacht

Deutsche Sektion der Internationalen Arzte für die Verhütung des Atomkrieges/ Arzte in sozialer Verantwortung e.V.

International Physicians for the Prevention
of Nuclear War (IPPNW) Vorstand
Dr. Angelika Claußen Dr. Winfrid Eisenberg Stephan Hohmann Matthias Jochheim Dr. Ibrahim Lada'a Okka Kimmich
Christoph Krämer
Prof. Dr. Peter Riedesser International Councillor
Dr. Nicola Kaatsch
Deputy International Councillor Dr. Helmut Lohrer Ehrenvorstandsmitglieder
Prof. Dr. Ulrich Gottstein
Prof. Dr. Dr. Horst-Eberhard Richt Wissenschaftlicher Beirat
Dr. Jan van Aken
Prof. Dr. Andreas Buro
Dr. Dieter Deiseroth
Prof. Dr. Dr. Hans-Peter Dürr Dr. Heinz Loquai
Dr. Götz Neuneck
Prof. Dr. Norman Paech
Prof. Dr. Inge Schmitz-Feuerhake Prof. Dr. Otmar Wassermann
K4rtestraße 10
10967 Berlin
Telefon 030/698 0740 Telefax 030/693 81 66 E-Mail ippnw@ippnw.de www.ippnw.de

Berlin, im Januar 2007
Liebe Mitglieder, Freundinnen und Freunde der IPPNW,
der Vorstand unserer Sektion hat mir als einem der Gründungsväter erlaubt, in einem persönlichen Wort an Sie auf die besondere Herausforderung hinzuweisen, die dieses Jahr 2007 an uns stellt. Die meisten von Ihnen wissen, dass ich Psychiater und Psychoanalytiker bin und mich deshalb besonders damit beschäftige, was der Atomphysiker Carl Friedrich von Weizsäcker 1960 "die psychische Krankheit Friedlosigkeit" genannt hat.
Ich glaube, dass diese Krankheit zur Zeit einen kritischen Punkt erreicht hat, der die Chance zu einer Selbstheilungsanstrengung bietet, die unbedingt genutzt werden muss. Der kritische Punkt wird durch drei Ereignisse markiert. Das erste ist das Versinken des Irak in einem totalen Bürgerkriegs-Chaos. Das zweite ist die große Klimakonferenz von Nairobi mit den düstersten Prognosen, aber fehlenden präventiven Handlungsentscheidungen. Das dritte ist die vernichtende Niederlage Bushs und der Republikaner bei den Novemberwahlen 2006.
Offensichtlich haben die Amerikaner ihren Präsidenten für das im Irak angerichtete Unheil und für die erlogene Kriegsbegründung bestraft. Aber im Irak wird ihnen auch eine eigene große Selbsttäuschung vorgeführt. Denn in der Mehrzahl hatten sie sich ja zunächst begeistert von Bushs Kreuzzugsmentalität mitreißen lassen - als die Guten gegen das terroristische Böse. Nun hat sich jedoch eine fatale Komplizenschaft zwischen fundamentalistischer und kriegerischer Gewalt herausgebildet, und die vermeintlich Guten finden in der Projektion das eigene Böse wiedergespiegelt. Kofi Annan hat es ausgesprochen: Den Irakern geht es heute viel schlechter als unter Saddam Hussein. Die vermeintlichen Befreier haben sich als Täter entlarvt.

Sprecherin Dr. Ute Watermann
Ehrenmitglieder Prof. Dr. Drs. h. c. mult. Bernard Lown, Prof. Dr. Metin Ozek, Dr. Ingeburg Peters-Parow (t)
10 70Fa0 IA/ni~nnh~nh 1985
NOBEL PEACE Ausgezeichnet mit dem UNESCO-Friedenspreis 1984

Aber das Spalten der Welt, um sich als Sieger über das Böse feiern zu können, ist nur ein Teil der "psychischen Krankheit Friedlosigkeit". Der andere Teil ist der erst in der Neuzeit, gestützt auf die technische Revolution, aufgekommene Wahn, dass man sich als der Stärkste in der Machtkonkurrenz von allen Abhängigkeiten befreien und unverletzbar machen könne>


> zurück zur Übersicht