Essen und Trinken

Gifte im Obst
Nicht gut Früchte essen

Es ist kaum zu glauben: Ein Fünftel der in Deutschland zugelassenen mehr als 1000 Spritzmittel enthalten einen oder mehrere Pestizid-Wirkstoffe, für die keine Höchstwerte für Lebensmittel festgelegt sind. Das fand ein von Greenpeace beauftragter Toxikologe heraus. Mit dieser Praxis missachtet das Bundeslandwirtschaftsministerium den Verbraucherschutz und öffnet der Chemieindustrie einen großen Markt. Auch den Überwachungsbehörden sind die Hände gebunden. Denn wo kein Grenzwert, da kein Verstoß – ein Landwirt kann so massiv spritzen, wie er will. Dabei haben es einige der 51 Stoffe ohne Höchstmengenbegrenzung, die in insgesamt 208 Pestiziden stecken, durchaus in sich. Thiacloprid etwa, das auch beim jüngsten Greenpeace-Pestizidtest gefunden wurde: Es gilt als krebserregend.
Johannisbeeren, Stachelbeeren und Kirschen hatte Greenpeace im Juli untersuchen lassen. 88 Prozent der Fruchtproben aus konventionellem Anbau waren mit Chemierückständen belastet. Rund 30 Prozent der Beeren und 15 Prozent der Kirschen bewertete Greenpeace als „nicht empfehlenswert". Und: In mehreren Proben stecken Spritzmittel, die hierzulande für diese Früchte gar nicht zugelassen sind. Das untersuchte Bioobst war frei von Pestizidrückständen.
Obwohl nur 53 Prozent der Proben aus Deutschland stammten, entfielen 80 Prozent der Höchstmengenüberschreitungen auf deutsche Ware, vor allem baden-württembergische. Von dort kommt auch das Obst, in dem illegale Mittel nachgewiesen wurden.
Das Stuttgarter Ministerium für Ernährung und Ländlichen Raum kommt zu ähnlichen Ergebnissen: Staatliche Kontrolleure, so eine Erklärung von Mitte Juli, würden bei jeder fünften Strauchbeerenprobe verbotene Wirkstoffe finden. Die Situation sei „nicht befriedigend", eine Gesundheitsgefährdung aber nicht gegeben. Das sieht Greenpeace-Chemieexperte Manfred Krautter anders: „Unter den 23 gefundenen Wirkstoffen sind solche, die krebserregend oder nervengiftig sind. Einige können die Fortpflanzung beeinträchtigen."Die Kontrollen müssten deutlich besser und Namen genannt werden. Bisher erfahren Verbraucher meist nicht, wer miese Ware verkauft. Greenpeace hingegen veröffentlicht bei jedem Test, wer die beanstandeten Lebensmittel auf den Markt bringt.


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